Dem Alltäglichen wieder seinen Wert geben

Eine gute Tasse Kaffee ist für die meisten von uns der Startschuss für den Tag – in vielerlei Hinsicht. Mögen sich viele zwar auf den Koffein-Kick beziehen, so ist es doch ein morgendliches Ritual, ein fester Punkt im hektischen Alltag. Doch unsere Herangehensweise ist vielleicht das Entscheidende, der ausschlagebende Faktor für die Qualität des restlichen Tages?

Mittlerweile ist der Kaffeevollautomat, der innerhalb von Sekunden auf Knopfdruck 10 verschiedene Sorten des beliebten Wachmachers produziert, schon unverzichtbares Element jeder Einbauküche. Und so ist das nicht nur beim Kaffee. Wir sind gewohnt, dass wir auf Knopfdruck in Sekunden alles bekommen, was wir gerade brauchen – oder meinen brauchen zu müssen. Das beginnt bei Informationen aus dem Internet, geht über Einkäufe in irgendwelchen Online-Shops bis hin zu Dienstleistungen, die wir von anderen Menschen einfordern. Wir erwarten zu jeder Tages- und Nachtzeit volle Wahlfreiheit aus dem gesamten Spektrum der Möglichkeiten. Doch das Wort “Erwartung” basiert nicht umsonst auf dem Wort WARTEN.

In dem Glauben, dass uns dieser Fortschritt das Leben leichter macht, nimmt er vielen Dingen doch heimlich, still und leise ihren Wert. Denn im Grunde ist es die Zeit, die den Dingen ihren Wert verleiht – und Zeit ist unter all dem Überfluss leider Mangelware. Erst die Zeit macht jedoch aus einem guten Wein einen Edlen. Erst die Zeit macht aus einem guten Lehrer einen Meister. Und erst die Zeit, die wir dem Alltäglichen widmen, schenkt unserem Alltag wieder mehr Lebensqualität.

Und so könnte – stellvertretend für all die vielen anderen Dinge – die morgendliche Tasse Kaffee zum wertvollsten Moment des Tages werden. Nicht nur wenn wir sie in Ruhe und ganz bewusst genießen, schon bei der Zubereitung könnten wir Achtsamkeit walten lassen. Wie wäre es mit einem kleinen Kaffee-Ritual statt des Knöpfchen-Drückers? Wann haben Sie zuletzt einen Kaffee in einem Handfilter aufgebrüht? Erweckt nicht schon der Gedanke daran “nostalgische” Erinnerungen an die Kindheit, als Oma morgens das Frühstück zubereitete? Glauben Sie, dass die Kinder von heute in 20 Jahren ähnliche Assoziationen mit Mamas Kaffeevollautomaten haben werden? Wird so das überall in 1000 Varianten verfügbare Konsumgut Kaffee nicht zu etwas Besonderem?

Und was glauben Sie, wie gut ihnen ihr Kaffee schmeckt und wie Sie ihn genießen werden, wenn Sie vorher die Bohnen behutsam von Hand gemahlen haben, geduldig gewartet haben bis das Wasser kochte, den feinen Duft beachtet haben, der den Raum, die ganze Wohnung erfüllt hat? So geben Sie dem überall billig verfügbaren Kaffee seinen wahren Wert zurück.

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