Von Meditation, Gedanken und Wölkchen…

Jeder, der sich zumindest schon einmal ansatzweise mit Meditation auseinander gesetzt hat, durfte sich wohl schon mit diesen dämlichen Gedanken rumschlagen, die einfach nicht die Klappe halten wollten. Es scheint unmöglich zu sein, “Stille” zu finden, denn je angestrengter man versucht den Kopf leer zu bekommen, desto eifriger und engagierter plappern und kommentieren unsere Gedanken das Geschehen. Das und das wolltest du noch erledigen… Hast du den Herd ausgeschalten? Die Blumen gehören mal wieder gegossen… Solche und ähnlich banale Gedanken zerstreuen uns wieder und wieder und machen damit den Versuch zu meditieren nicht unbedingt zum Spaziergang.

Das ist vielleicht nervig, aber vollkommen normal. Unser ganzes Leben ist ja schließlich auf Denken, auf Analysieren ausgelegt. Wir haben seit dem Kindergarten täglich dahin trainiert unseren Kopf zu benutzen, unsere Umgebung zu erfassen, zu bewerten. Und wir sind einem, in der Geschichte der Menschheit vorher nie dagewesenem, Smog aus Informationen ausgesetzt, die wir erfassen,  auswerten und zuordnen müssen. Auch wenn es uns nicht immer bewusst ist (und auch wenn wir es so manchem nicht wirklich zutrauen ;)): wir denken permanent. Und plötzlich schließen wir die Augen und verlangen von unserem Verstand sich von jetzt auf gleich abzuschalten…  Das ist, als würden wir auf der Autobahn mit 180 Stundenkilometern auf der linken Spur plötzlich in den Rückwärtsgang schalten.

Genauso wie uns der permanente Gedankenlärm über viele Jahre antrainiert wurde, können wir ihn aber auch wieder abtrainieren, quasi überlisten. Eine oft zitierte und sehr schöne Technik dafür sind die Wolken. “Lass deine Gedanken ziehen wie Wolken am Himmel” oder “Pack deine Gedanken auf kleine Wölkchen, die der Wind ganz sanft mit sich trägt”. Es geht also darum, sich bewusst zu machen, dass Gedanken eben nur Gedanken sind – nicht mehr und nicht weniger. Das ist einfacher, aber bedeutender Schritt – denn im Grunde definieren wir unser Sein doch über unser Denken, über diese Wolken um unseren Kopf, die das Licht filtern, die manchmal trüb und grau sind. Und ich finde die Wölkchen-Metapher auch ein wunderschönes Bild zum meditieren – friedlich, natürlich und beruhigend. Stellen Sie sich den Himmel in den schönsten Farben vor, die Wölkchen zart und leicht.

Probieren Sie es also einfach mal aus: Schließen Sie die Augen, atmen Sie ruhig und bewusst. Und sobald Sie sich dabei ertappen, dass Sie einem Gedanken nachhängen, stellen Sie ihn sich einfach als Wölkchen vor, dass ganz entspannt und ruhig davonzieht. Sie sind nicht mehr länger Gegenstand oder Teil des Gedanken, Sie werden zum Beobachter, zum Betrachter. Ganz liebevoll und unbekümmert – es sind einfach nur Wolken. Und dann kehren Sie zum Atem zurück. Bleiben Sie einige Minuten dabei, jeden neuen Gedanken lassen Sie ziehen und kehren Sie dann immer wieder zum Atem zurück.

Wie ist es Ihnen ergangen? In dem Sie die störenden Gedanken zum Teil Ihrer Meditation gemacht haben, sich Ihnen liebevoll zugewandt haben, hat sich auch Ihr Verhältnis dazu verändert, oder? Egal wie kurz oder lang die Spanne zwischen den Gedanken war, bewerten Sie es nicht. Es ist, wie es ist – es gibt bessere und schlechtere Tage, ganz egal wie lange man “übt”.

Doch nun betrachten Sie einmal Ihren Blickwinkel, den Sie intuitiv bei der kleinen Übung eingenommen haben? Standen Sie am Boden, die Wolken über Ihnen am Himmel? Oder waren die Wolken auf Kopfhöhe? Wahrscheinlich, oder? Das ist ja unser gewohnter Blick, so wie wir es in unserem “Denken” gewohnt sind… Aber dieser Blickwinkel zeigt auch unser Verhältnis zu den Gedanken: die Gedanken sind über uns, bestenfalls umnebeln sie unseren Kopf. Und so ist es auch im “wahren Leben”: unsere Gedanken dominieren uns, grenzen uns ein. Das ist nichts schlimmes, denn das haben wir ebenfalls über viele Jahre so gelernt.

Probieren wir unsere kleine Übung nun noch einmal ein bisschen variiert: Schließen Sie wieder die Augen und lassen sich von Ihrem Atem tragen. Doch nun stehen Sie nicht auf dem Boden sondern schweben ganz leicht und lautlos hoch oben am Himmel. Und auch hier betrachten Sie Gedanken als kleine Wölkchen, die am Himmel ziehen – doch diesmal nicht über, sondern unter Ihnen! In alle Richtungen haben Sie einen weiten Blick zum Horizont, bis der Himmel die Erde berührt – durch nichts begrenzt. Und die Wölkchen ziehen unter Ihnen, weit unter Ihnen. Bleiben Sie ein paar Minuten “dort droben” und genießen Sie die Aussicht.

Hat sich im Vergleich zur ersten Übung etwas verändert?
Fiel es Ihnen leichter, die Gedanken ziehen zu lassen?
Wurden so nicht furchtbar wichtige Gedanken zu ganz winzigen, fast lächerlichen Wölkchen?

Manchmal ist es einfach der Blickwinkel auf die Dinge. Sind die Gedanken bedrohliche, finstere Wolken über unserem Kopf? Oder machen wir uns bewusst, dass unser Geist im Grunde so weit ist, wie der Horizont und jede noch so riesige, dunkle Gewitterwolke von so weit oben betrachtet einfach nur faszinierend und schön anzuschauen ist?

Unser Geist ist unendlich. Doch die Unendlichkeit ist für uns Menschen nicht greifbar. Also spannen wir ihn einfach über den gesamten Horizont. Das ist nicht nur ein wunderschönes Bild sondern durch die fließende Begrenzung, schließen wir Frieden mit unserem Verstand und lassen unsere Weite und wahre Größe leichter zu.

In diesem Sinne: machen Sie sich weit. Seien Sie groß!

1 Comment

  • GNMILL on 20. März 2015

    Schöner Text!

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