Zen auf 8 Beinen – oder von Hunden Leben lernen…

Zu meinen beiden Hunden Shiva und Yara habe ich eine ganz besondere Beziehung. Beide sind für mich Familienmitglieder – manchmal wie Kinder, denen man helfen oder zeigen muss, wie man sich in der Welt zurecht findet. Manchmal bringen sie einen zum Lachen, manchmal schaffen sie es aber auch mich zur Weißglut zu treiben. Manchmal – oder wohl öfter als mir lieb ist – sind sie aber auch Lehrmeister, Zen-Meister, die mir wichtige Lektionen in Sachen Achtsamkeit geben.

So ist mir in den letzten Tagen, bei der mittäglichen Spazierrunde im Wald, das erste mal “bewusst” geworden, wie unterschiedlich sich die beiden verhalten. Shiva, ein sportlicher Windhund-Schäferhund-Mischling, zieht aufgeregt und hektisch vorweg, während Yara, eine ehr kräftigere Hovaward-Mischlings-Dame, hinter mir her schlurft. Die eine also flott vorweg, die andere langsam hinterher – und ich mitten drin… Klar, das ist mir nicht das erste Mal aufgefallen – so schaut unser Alltag aus. Aber heute habe ich das erste Mal bewusst wahrgenommen was da eigentlich passiert.

Wenn es mir nicht gut geht oder ich gerade vieles um die Ohren habe (und wann hat man das nicht?), dann lasse ich mich gerne von Shiva führen – getrieben von meinen Gedanken und Sorgen hetze ich durch den Wald, die Gassirunde mehr oder weniger absolvierend. Eine Zereissprobe, denn Yara muss ich permanent auffordern endlich weiter zu gehen, während Shiva trotzdem stetig vorweg zieht, egal wie schnell ich gehe. Manchmal halte ich dann inne, mir wird bewusst, das ich gerade gar nicht wirklich hier bin, sondern wie Shiva nervös von einem Gedanken zum anderen springe…

Doch es liegt in meiner Hand, ich kann mich genauso gut von Yara führen lassen. Ich passe mich ihrem Tempo an, gehe gemütlich neben ihr her, schenke ihr meine ganze Achtsamkeit und Aufmerksamkeit. Halte an wenn sie am Wegesrand schnüffelt, warte bis sie Grashalme zu Ende gefressen hat. Und ich nutze die so gewonnene Zeit, selber um auf den Weg zu achten, die Bäume, Pflanzen und Steine am Wegesrand wahr zu nehmen. Plötzlich fallen mir Käfer auf, die über den Weg krabbeln, Schmetterling, Vögel…

Wir kommen deswegen genauso am Ziel an – nur wesentlich entspannter. Ein bisschen später vielleicht, aber dafür voller Eindrücke und Details, die wir so wahrnehmen konnten. Auch Shiva wird so im Laufe des Spaziergangs ruhiger, gelassener, die Leine hängt öfter durch. Im Endeffekt gewinnen wir alle an so einem Spaziergang. Doch es geht dabei nicht darum zu urteilen ob einer der beiden Hunde besser oder schlechter erzogen ist. Oder der eine fit, der andere schwächer ist. Nein, es gibt kein Richtig oder Falsch. Beide Hunde sind meine Spiegel und zeigen mir mich, mein Verhalten.

Yara spiegelt mir in dieser Situation meine Seele und ihre Bedürfnisse: zur Ruhe kommen können, Wahrnehmen, meine Umwelt bewusst erleben – und das Erlebte, Wahrgenommene auch verarbeiten. Shiva dagegen spiegelt meine Gedanken, meinen Geist, der unruhig hin und her springt, mich ständig treibt und mich keine Ruhe finden lassen will… Beides ist ein Teil von mir – und es ist meine freie Entscheidung in jedem einzelnen Moment, eines der beiden zu wählen.

Fakt ist jedoch: wähle ich die Seele und komme zur Ruhe, kann auch der Geist zur Ruhe kommen. Vielleicht sollten wir alle viel öfter an den Blumen am Wegesrand schnuppern und die Schönheiten des Lebens bewundern, statt wie durch einen Tunnel dem Ende entgegen zu hetzen…

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