Im modernen, europäischen Schamanismus sind die Trommel und der Schamane untrennbar miteinander verbunden. Bei Zeremonien, schamanischen Reisen und der rituellen Heilarbeit kommen meist liebevoll gestaltete Rahmentrommeln zum Einsatz – oft selber gebaut. Doch in der Klangmedizin & Klangarbeit ist die Trommel für mich mehr als „nur“ ein Musikinstrument. Sie ist meine Begleiterin, meine Augen & Ohren, sie trägt mich und meine Stimme und berührt meine Klient/innen tief. Die Trommel ist für mich als Schamane ein heiliges Werkzeug.
Warum überhaupt eine Trommel?
Trommeln gehören zu den ältesten und naheliegendsten Instrumenten der Menschheit: ein Stein, ein Stock, ein Rhythmus. Später wurden daraus Rahmen, mit Tierhaut bespannt. Schamanische Trommeln finden sich u. a. in Sibirien, Zentralasien, arktischen Kulturen, Nordamerika und bei den Sámi. Aber Schamanismus oder Naturspiritualität ist weltweit der Ursprung unserer Religionen – lange bevor die Menschen den Kontakt zu ihren Wurzeln und Mutter Erde verloren haben.
Die Techniken der spirituellen Heiler und Priester um Kontakt mit der geistigen Welt aufzunehmen, gehen i.d.R. über Trancezustände, die wunderbar mit schnellen und monotonen Rhytmen hervorgerufen werden können. Das macht die Trommel zu einem kraftvollen und hochwirksamen Ritualinstrument, das Erde, Körper, Herzschlag und Geist verbindet.
Wie kommt der Schamane zu seiner Trommel?
Tatsächlich nutze ich in verschiedenen Situationen unterschiedliche Trommeln – oft sehr intuitiv. Einige davon hab ich gekauft, sie haben mich angesprochen, gerufen. Einige hab ich selber gebaut, sehr bewusst als Teil oder Abschluss meiner eigenen Prozesse. Diese Trommeln sind natürlich dann auch besonders mit mir verbunden. Aber unabhängig davon, geht man bei dieser Art der Klangarbeit eine tiefe Verbindung zu seinen Instrumenten ein – egal wie man zu ihnen kommt. Und dieses magische Band macht in meinen Augen die Heilarbeit damit erst möglich. Ich sehe das Wesen meiner Trommeln, den Geist des Holzes ebenso wie den Geist des Tieres, dass sein Fell zur Verfügung stellt. All das bestimmt den Charakter und die Kraft einer Schamanentrommel – wild, ruhig, sanft, durchsetzungstark… Es ist eine heilige Verbindung und der Schamane nutzt den Kanal.
Die klassische, am weitesten verbreitetste Anwendung der Trommel ist wohl das Trommeln von schamanischen Reisen. Durch das meist monotone, schnelle Schlagen der Trommel mit 160 bis 180 bpm versetzen wir uns in die Lage in Trance zu fließen, da bestimmte Rhythmen unsere Gehirnwellen entsprechend stimulieren und so tiefe Entspannung auslösen können. Diese Techniken finden sich im Grunde in allen schamanischen Strömungen auf der Erde. Ich bevorzuge dafür ehr tiefe, dumpfere Trommeln mit Haaren bzw. nutze meinen haarigen Fuchsfell-Schlägel.
Die Trommel ist für mich in der Praxis auch ein zwar einfaches, aber kraftvolles Werkzeug der Schwingungsmedizin. Ich kann sie nutzen um den Körper und das Energiefeld zu klären, gezielt Chakren und Energietore (z.B. an den Fußsohlen) zu öffnen und so wieder Verbindung herzustellen. Viele Klient/innen empfinden es als äußerst angenehm „abgetrommelt“ zu werden. Sie beschreiben es wie ein warmes Zudecken mit Klang als Einstieg in eine Behandlung. Zudem kann ich so Disharmonien und störende Energien sehr sanft lösen.
Sowohl in dieser Einzelarbeit, in der schamanischen Praxis als auch in der Arbeit mit Gruppen, sind meine Trommeln nicht nur Klangkörper sondern dienen auch als Empfänger von Schwingungen im Feld. Die gespannte Haut ist ähnlich wie die Membran eines Mikrofons und nimmt alle Töne und auch feinstoffliche Informationen im Raum auf und überträgt sie an mich. So ist es möglich, das Energiefeld zu scannen und Disharmonien, Traumata, Wunden wahrzunehmen und zu orten. Wenn ich Gruppen führe und begleite, dann tragen und lenken mich die Energien und Themen, die jede/r Einzelne in die Session mitbringt. Vorallem meine große Rahmentrommel kann diese sehr fein aufnehmen und unterstützt mich so in meiner Reise und Heilarbeit.
Ich liebe es mit und durch meine Trommel zu singen. In Klangsessions, bei der MedicineWork und bei meinen Seelengesängen nutze ich die Trommel wie einen Verstärker. Sie trägt, verstärkt meine Stimme und erzeugt einen wundervollen Hall. Die Besungenen werden so regelrecht eingehüllt und ich habe gleichzeitig ein vielseitiges Rhythmusinstrument und Unterstützung bei der Trance. Gerade in den Anfängen meiner Gesänge hat es mich oft sehr viel Überwindung und Mut gekostet, in einen stillen Raum, in dem alle Aufmerksamkeit auf mir ruht, hinein zu singen. Meine Trommel trägt mich und hebt mich über die Angst hinweg.
Das macht sie zu mehr als einem Werkzeug. Die Trommel trägt eine Seele, einen Geist, der bei der Verbindung von Holz und Tierhaut geboren wird und sich oft auch zeigt, in dem Gesichter, Figuren oder Symbole auf der Trommelhaut oder im Rahmen sichtbar werden. Diese Energie und der Charakter der Trommel begleitet mich bei verschiedenen Aufgaben. Das macht meine Trommel zu einer starken Verbündeten für mich: sie trägt mich und meinen Gesang, ist wie ein Schild, hinter dem ich sicher bin, sie führt mich als Sensor, sie führt mich durch Rhythmus und Klang in der Trance, sie ist wie ein Anker in der irdischen Welt, während ich in der Anderswelt reise…
So fühle ich mich eng verbunden mit meiner Trommel.
