Die Rauhnächte schwingen schon seit Wochen mit und kommen jetzt zur Sonnwende in ihrer besonderen Energie zum Tragen. Eine heilige, kraftvolle und sehr transformative Zeit und Zeitqualität steht uns zur Verfügung – wenn wir sie denn nutzen. Immer mehr Menschen interessieren sich dafür, gehen bewusst in diese kostbaren Tage. Mit der Aufmerksamkeit kommt auch eine Welle von Büchern, Anleitungen und „Rauchnachts-Sets“ – der kommerzielle Schatten, den das Licht dieser besonderen Zeit wirft…
Die besondere Zeitqualität der Rauhnächte
Die Rauhnächte sind ein Jahrtausende alter Brauch und werden regional sehr unterschiedlich begangen – das beginnt schon mit dem Zeitraum: beginnen sie am 25.12. – oder doch zur Wintersonnwende nach oder mit dem 21.? Auch die Rituale der Nächte unterscheiden sich stark von Region zu Region. Fest steht, die Menschen spüren die besondere Magie dieser Zeit und ihre transformierende, reinigende Kraft und feiern sie. Die Rauhnächte sind eine Zeit des Innehaltens, des zu dir Kommens, der Reflektion und der Neuausrichtung. In der heutigen lauten und hektischen Welt noch viel kostbarer als vielleicht vor 1000 Jahren.
Die Rauhnächte sind Ende und Neubeginn: der Kreis des alten Jahres schließt sich und etwas Neues beginnt. Unsere Vorfahren wussten um die Kraft des Kreises und haben ihn genutzt. Wir gehen in die Tage der Dunkelheit, unsere Schatten zeigen sich und wir stellen uns ihnen. Streifen ab, was abzustreifen ist. So erleichtert können wir dann mit neuen Visionen und neuer Kraft in das neue Jahr starten.
Der Winter mag heute nicht mehr so präsent sein, ebenso wie die Dunkelheit in einer Welt, die künstlich so hell gehalten wird, dass wir vielerorts den Sternenhimmel nicht mehr sehen. Doch früher war es die Natur, die die Menschen zum Innehalten gebracht hat. Der Samen deines neuen Jahres wird in die Erde gesteckt, wo er ruht, keimt und Wurzeln treibt.
Die Essenz der Rauhnächte
Jedes Jahr beobachte ich Menschen, die sich krampfhaft an irgendwelche Anleitungen klammern und fast schon hilflos bemüht sind, irgendwelche Rituale abzuspielen, die akribisch an den Terminkalender geknüpft sind. Genau darum geht es aber gerade nicht. Die Rauhnächte sind die kurzen Tage zwischen den Jahren, jenseits der Zeit – hier ist dein Terminkalender fehl am Platz.
Die Rauhnächte beginnen auch nicht schlagartig an einem Datum – regional variieren die Interpretionen sowieso. Die Energie der Rauhnächte ist schon seit Wochen spürbar. Viele berichten mir, dass nochmal ungelöste Themen an die Oberfläche kommen und dass die letzten Wochen sehr anstrengend waren. Genaus enden die Energien nicht abrupt am 6.12. Stell dir eine Welle vor, die langsam ansteigt, ihren Höhepunkt um die Zeit zwischen Weihnachten und Dreikönig erreicht, um dann langsam wieder abzuflachen.
Worum geht es also dann?
Ganz einfach: es geht um Dich! Du darfst innehalten, Ruhe und Stille jenseits der lauten Welt suchen. Du darfst ausruhen, damit deine Seele die Gelegenheit hat, dich wieder einzuholen. Damit du dich wieder spürst. Lass all die Dinge weg, die es kompliziert machen und dich in deinen Kopf bringen, statt in dein Herz. Nimm dir Zeit für dich und wenn du bei dir angekommen bist, dann richte dich neu aus. Tu das auf deine Weise, finde deine eigenen Rituale – es geht um authentisches Ankommen bei dir selbst. Das ist die Essenz der Rauhnächte.
Alleine dieses bei dir wirklich Ankommen wird vermutlich mehrere Tage in Anspruch nehmen – und das ist vollkommen normal angesichts der Geschwindigkeit und des Informationsmülls, der uns tagtäglich überschüttet. Und wenn du die gesamten Rauhnächte dafür brauchst ist das auch okay und zeigt dir, was du für das neue Jahr wirklich brauchst: Ruhe. Nimm dir Zeit für Rückzug, entschleunigte Spaziergänge in der Natur – so verbindest du dich mit den ursprünglichen Rhythmen und Zyklen. Mit deinem eigenen Rhythmus. Spürst du dich noch? Erträgst du es, mal eine Stunde mit dir allein in einem dunklen nur von einer Kerze erleuchteten und ganz stillen Raum zu sitzen? Hier zeigen sich die wirklich wichtigen Dinge für dich.
Und wenn du merkst, dass du ruhiger wirst, dann lass das alte Jahr Revue passieren. Welche Themen und Situationen beschäftigen dich noch? Wo zeigen sich noch alte Verletzungen? Was möchtest du gerne hinter dir lassen und nicht mit in den neuen Jahreskreis hinübernehmen? Welche Menschen in deinem Umfeld sind dir wichtig, vermisst du, brauchst du ganz dringend – oder empfindest du als Belastung und möchtest du eigentlich hinter dir lassen? Achte auf deine Träume, deine unscheinbaren Gedankenblitze. Schreib diese Gedanken und Gefühle auf, ganz ehrlich und wertfrei. Gedanken aufzuschreiben hilft dir, sie zu ordnen und festzuhalten – und zwingt dich, sie zu lesen.
Daraus lassen sich wunderbare Loslass-Rituale entwickeln. Schaff dir einen heiligen Raum, in dem du diese Zettel z.B. verbrennst und dir dabei bewusst machst, wie das Feuer sie transformiert und der Rauch in den Himmel trägt. Du kannst diese Dinge auch in eine Wurzel geben, die du in der Natur vergräbst oder in einen Stein, den du so weit du kannst in einen Fluss oder eine Schlucht wirfst… Dazu kannst du auch deine Räume und dein Haus räuchern und die alten Gedanken und Energien zum Fenster hinausziehen lassen. Es braucht dafür keine speziellen Räuchermischungen – ob Salbei, Wacholder oder auch Rosmarin aus deinem Gewürzregal, räuchere das, mit dem die Räume sich klarer und freier für dich anfühlen. Und deine eigene Haltung ist dabei mindestens genauso wichtig wie das Kraut, das raucht. Die Rauhnächte sind die Zeit der Rituale – aber Rituale sind immer nur dann kraftvoll, wenn sie deinem Herzen Ausdruck verleihen.
Nach dem Loslassen folgt die Neuausrichtung. Was sind deine Ziele, deine Wünsche für das neue Jahr? Ohne Vision, ohne wirkliches Ziel sind wir wie ein Boot, dass von den Wellen hin und her geworfen wird. Die Rauhnächte sind die Zeit, in der sich die Qualität des neuen Jahres ordnet und du kannst deine Ziele mit in diese Neuordnung hinein weben. Worum geht es dir, was möchtest du erreichen? Denke daran, deine Wünsche positiv zu formulieren, bejahend und so, als wären sie schon wahr geworden. Wichtig ist dabei auch immer das Gefühl. Worte sind nur Schall und Rauch, Gefühle sind echt.
Auch hier schreib auf und halte fest – auch gerne künstlerisch, das gibt noch mehr Kraft und Herzblut in deine Visionsfindung. Es wird ein wundervoller Einstieg in die Rauhnächte 2026 sein, deine Vision noch einmal in die Hand zu nehmen und du wirst staunen, was alles wahr geworden ist.
Darin liegt auch die Grundidee des 13 Wünsche Rituals, bei dem du 13 Wünsche formulieren und auf kleine Lose schreiben sollst, von denen du dann 12 Nächte jeweils eines verbrennst. Der 13. Wunsch der übrig bleibt, ist dann das Thema, dass du im neuen Jahr selber in die Hand nehmen sollst. Es geht nicht um materielle Wünsche, sondern um Herzensthemen – so ist die Arbeit, die es braucht um 13 wahrhafte Wünsche zu formulieren, eine sehr kostbare Reflektion. Du wirst vielleicht merken, dass es gar nicht so einfach ist…
Nimm dir Zeit für dich
Du siehst also: es muss nicht kompliziert sein, es kostet keinen Cent die Rauhnächte kraftvoll und authentisch zu zelebrieren. Die Essenz dieser heiligen Zeit ist die Ruhe und Stille, die dich wieder zu dir, bei dir ankommen, deine Wurzeln Erde fassen lässt. Ohne das ist alles andere sowieso leer und kraftlos.
Ich wünsche dir also ruhige Rauhnächte mit viel Zeit für dich, schönen Impulsen und den Mut sie anzunehmen und in die Welt zu tragen! Mögen die Schwingen dieser heiligen Zeit dich tragen, behüten und beflügeln.

1 Kommentare
[…] Danke für die kostbaren Impulse von Holger Schramm Urmedizin aus seinem Rauhnachts-Vortrag. Wenn du tiefer in die Hintergründe, die Haltung hinter den Ritualen und die Essenz dieser Zeit eintauchen möchtest, verlinke ich dir hier den ausführlichen Originaltext: Zum Original-Blogartikel über die Rauhnächte. […]